INTERVIEW
mit Dr. med. Ricardo Zevallos Gomez
(Chefarzt am Centro de Salud – Pozuzo)

Dr. Zevallos wurde am 17. 9. 1964 in Callao ( Nähe Lima ) als jüngster von 3 Geschwistern geboren. Seine Mutter war schon Krankenschwester. Er absolvierte sein Medizinstudium an der Privatuniversität „San Martin de Porres“ in Lima. Nach Abschluss des Studiums arbeitete er als Arzt in Villa Rica, vor er 1997 seinen Dienst in Pozuzo antrat, wo er bald danach zum Chefarzt und Verwaltungsdirektor ernannt wurde. Seit 1999 ist er mit der Pozuzinerin Veronika Vasil verheiratet, die am Centro de Salud als Verwaltungssekretärin  arbeitet.
 


Dr. Zevallos und Lob Raimund
 
 
Unsere Fragen an Dr. Zevallos :

Was sind Ihre Aufgaben hier in Pozuzo ?
In meinen Verantwortungsbereich fällt das gesamte Gemeindegebiet Pozuzos mit seinen rund 8.000 Einwohnern in 56 „Ortsteilen“, mit 14 Außenstellen ( Erste Hilfe-Stationen ). Neben meiner Hauptaufgabe als Arzt, obliegt mir auch die Organisation, Überwachung und Fortbildung meiner 35 MitarbeiterInnen, von denen aber nur 1 Zahnarzt, 2 Praktiker, 1 Laborant, 5 Hebammen und 6 Krankenschwestern über eine fundierte med. Ausbildung verfügen. ( Davon arbeiten der Zahnarzt, der Laborant, 1 Hebamme und 3 Krankenschwestern hier am Centro de Salud )

Worin besteht Ihre ärztliche Tätigkeit ?
Diese ist strukturbedingt äußerst vielfältig. In erster Linie bin ich natürlich praktischer Arzt. Die besondere Situation hier, erfordert allerdings auch meinen Einsatz als Notarzt, Unfallchirurg, Geburtshelfer, Vorsorgemediziner, ja sogar als Gerichtsmediziner und Pathologe.  

Wie beurteilen Sie den Gesundheitszustand der Bevölkerung in Ihrem Versorgungsbereich ? Die Nachkommen der Einwanderer sind relativ robust und leiden hauptsächlich an Durchblutungsstörungen und deren Folgen. Die zugewanderten Indios aus den Bergregionen, leiden vielfach an Mangelkrankheiten, Atemwegserkrankungen und Parasitenbefall. Dies ist hauptsächlich auf Fehlernährung und mangelnde Hygiene zurück zu führen.
Frühschwangerschaften u. Alkoholmissbrauch sind kultursoziale Probleme.

Unter den Landwirten machen Unfallverletzungen, Leishmaniose, Parasitose u. Schlangenbisse den Großteil der Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe notwendig. Leider suchen die Meisten erst dann ärztliche Hilfe auf, wenn die Krankheiten schon zu weit fortgeschritten sind.

Wie beurteilen Sie die derzeitige med. Versorgungslage ?
Die exponierte geografische Lage, der Mangel an Verkehrswegen und die landesweiten finanziellen Probleme in der med. Versorgung, erschweren unsere Arbeit. In den letzten Jahren hat sich die Versorgung durch Hilfe von Außen zwar bedeutend verbessert, unser Hauptproblem liegt jedoch in der noch fehlenden Infrastruktur ( med. Ausrüstung und Geräte ), dem Mangel an ausgebildetem med. Personal und an geschulten Fachkräften zur gesundheitlichen Aufklärungsarbeit ( Ernährung, Hygiene, Familienplanung ). Diese wäre gerade bei einem Landbevölkerungsanteil von 80%, besonders dringend notwendig.
Ein immer größer werdendes Problem stellen auch die Motorrad-Unfälle dar (inzwischen das wichtigste Verkehrsmittel u. größter Unfallhäufigkeit ).Gerade bei diesen Unfällen würden entsprechende Diagnose- u. chirurgische Einrichtungen eine höhere Rehabilitationsrate ermöglichen.
Trotzdem kann man sagen, dass es in Peru noch schlechter versorgte Gegenden gibt. 

Was erwarten Sie sich vom neuen „Centro de Salud“ ?
Nach Fertigstellung des neuen Krankenhauses wird es uns möglich sein, mehr als 90% der Patienten direkt in Pozuzo versorgen zu können. Durch die verbesserte räumliche und technische Ausstattung können die Patienten schneller und effizienter behandeln werden. Vor allem aber macht es uns möglich, viele Untersuchungen und Behandlungen vor Ort zu machen, für die bislang der beschwerliche und oft unpassierbare Weg ins Krankenhaus nach Oxapampa notwendig war. Gerade in der Notfallmedizin stellte dies bisher ein unlösbares Problem dar.

Verfügen Sie auch über das nötige Fachpersonal ?
Das bestehende Manko an qualifiziertem Personal hoffen wir  z.T.  durch Weiterbildung in den eigenen Reihen wettmachen zu können ( die ersten Kurse beginnen in wenigen Wochen ). Zudem haben wir bereits die Zusage der Med. Universität „Cayetano Herredia“ in Lima, uns mit Praktikanten zu unterstützen. Natürlich wäre uns auch sehr geholfen, wenn sich auch med. Fachpersonal aus Tirol für einen freiwilligen Einsatz finden würde. 

Für welche Bereiche würden Sie sich personelle und weiterbildungsmäßige Hilfe
wünschen ?

Für die Fachbereiche Traumatologie, Allgemeine Chirurgie, Kinderheilkunde, Zahnheilkunde, Gynäkologie, Physiotherapie und Krankenpflege. 

Der Betrieb des neuen Krankenhauses verursacht natürlich auch einen höheren Kostenaufwand. Wie glauben Sie, dieses Problem lösen zu können ?
Zum einen werden durch das verbesserte Leistungsangebot auch höhere Einnahmen erzielt werden, zum anderen hoffen wir darauf, auch nach der Fertigstellung des Krankenhauses auf die Unterstützung unserer Tiroler Partner zählen zu dürfen. 

An wen können sich freiwillige Helfer wenden, die zu einem Einsatz in Pozuzo
bereit wären ?

An den med. Projektberater des Tiroler Vereines „Gesundheit für Pozuzo“,

Prim. Dr. Herbert Jamnig,  LKH Natters    Telefon: +43 (0512) /5408    
E-Mail-Adresse: herbert.jamnig@tilak.or.at

( Anmerkung : Einige Spanischkenntnisse wären für einen solchen Einsatz unbedingt erforderlich )

Was wünschen Sie sich für die nächste Zukunft ?
1.  Dass das neue Centro de Salud bald seinen Betrieb aufnehmen kann.
2.  Ein partnerschaftliches Abkommen mit der Universität Innsbruck und der Uni-Klinik Innsbruck, das
     uns einen akademischen und professionellen Wissensaustausch, aber auch den Einsatz von
     Fachpersonal aus Tirol ermöglichen würde.

Gibt es keine ganz privaten Wünsche ?
Doch auch.
1. Dass ich mich weniger der Verwaltung und mehr meinen medizinischen Aufgaben widmen könnte.
2. Mehr Zeit für meine eigne med. und sprachliche Weiterbildung.
    ( Englisch und Deutsch wären meine Wunschfächer )
3. Wieder einmal ein paar Tage Urlaub; den letzten Urlaub hatte ich vor 4 Jahren !

Außerdem möchte ich mich im Namen meiner Mitarbeiter und der Bevölkerung Pozuzos, bei den vielen Helfern in Tirol recht herzlich für die bereits erwiesene Hilfestellung bedanken und bitte Sie, unsere Grüße an Ihre Leserschaft und unsere Partner in Tirol weiter zu leiten.

Foto Dr. Zevallos mit einem Teil seines Krankenhausteams 

 

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