| Unsere
Fragen an Dr. Zevallos : |
Was sind Ihre Aufgaben hier in Pozuzo ?
In meinen Verantwortungsbereich fällt das gesamte Gemeindegebiet Pozuzos mit
seinen rund 8.000 Einwohnern in 56 „Ortsteilen“, mit 14 Außenstellen ( Erste
Hilfe-Stationen ). Neben meiner Hauptaufgabe als Arzt, obliegt mir auch die
Organisation, Überwachung und Fortbildung meiner 35 MitarbeiterInnen, von
denen aber nur 1 Zahnarzt, 2 Praktiker, 1 Laborant, 5 Hebammen und 6
Krankenschwestern über eine fundierte med. Ausbildung verfügen. ( Davon
arbeiten der Zahnarzt, der Laborant, 1 Hebamme und 3 Krankenschwestern hier
am Centro de Salud )
Worin besteht
Ihre ärztliche Tätigkeit ?
Diese ist strukturbedingt äußerst vielfältig. In erster Linie bin ich
natürlich praktischer Arzt. Die besondere Situation hier, erfordert
allerdings auch meinen Einsatz als Notarzt, Unfallchirurg, Geburtshelfer,
Vorsorgemediziner, ja sogar als Gerichtsmediziner und Pathologe.
Wie beurteilen
Sie den Gesundheitszustand der Bevölkerung in Ihrem Versorgungsbereich ?
Die Nachkommen der Einwanderer sind relativ robust und leiden
hauptsächlich an Durchblutungsstörungen und deren Folgen. Die zugewanderten
Indios aus den Bergregionen, leiden vielfach an Mangelkrankheiten,
Atemwegserkrankungen und Parasitenbefall. Dies ist hauptsächlich auf
Fehlernährung und mangelnde Hygiene zurück zu führen.
Frühschwangerschaften u. Alkoholmissbrauch sind kultursoziale Probleme.
Unter den Landwirten machen Unfallverletzungen, Leishmaniose, Parasitose u.
Schlangenbisse den Großteil der Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe notwendig.
Leider suchen die Meisten erst dann ärztliche Hilfe auf, wenn die
Krankheiten schon zu weit fortgeschritten sind.
Wie beurteilen
Sie die derzeitige med. Versorgungslage ?
Die exponierte geografische Lage, der Mangel an Verkehrswegen und die
landesweiten finanziellen Probleme in der med. Versorgung, erschweren unsere
Arbeit. In den letzten Jahren hat sich die Versorgung durch Hilfe von Außen
zwar bedeutend verbessert, unser Hauptproblem liegt jedoch in der noch
fehlenden Infrastruktur ( med. Ausrüstung und Geräte ), dem Mangel an
ausgebildetem med. Personal und an geschulten Fachkräften zur
gesundheitlichen Aufklärungsarbeit ( Ernährung, Hygiene, Familienplanung ).
Diese wäre gerade bei einem Landbevölkerungsanteil von 80%, besonders
dringend notwendig.
Ein immer größer werdendes Problem stellen auch die Motorrad-Unfälle dar
(inzwischen das wichtigste Verkehrsmittel u. größter Unfallhäufigkeit
).Gerade bei diesen Unfällen würden entsprechende Diagnose- u. chirurgische
Einrichtungen eine höhere Rehabilitationsrate ermöglichen.
Trotzdem kann man sagen, dass es in Peru noch schlechter versorgte Gegenden
gibt.
Was erwarten
Sie sich vom neuen „Centro de Salud“ ?
Nach Fertigstellung des neuen Krankenhauses wird es uns möglich sein, mehr
als 90% der Patienten direkt in Pozuzo versorgen zu können. Durch die
verbesserte räumliche und technische Ausstattung können die Patienten
schneller und effizienter behandeln werden. Vor allem aber macht es uns
möglich, viele Untersuchungen und Behandlungen vor Ort zu machen, für die
bislang der beschwerliche und oft unpassierbare Weg ins Krankenhaus nach
Oxapampa notwendig war. Gerade in der Notfallmedizin stellte dies bisher ein
unlösbares Problem dar.
Verfügen Sie
auch über das nötige Fachpersonal ?
Das bestehende Manko an qualifiziertem Personal hoffen wir z.T. durch
Weiterbildung in den eigenen Reihen wettmachen zu können ( die ersten Kurse
beginnen in wenigen Wochen ). Zudem haben wir bereits die Zusage der Med.
Universität „Cayetano Herredia“ in Lima, uns mit Praktikanten zu
unterstützen. Natürlich wäre uns auch sehr geholfen, wenn sich auch med.
Fachpersonal aus Tirol für einen freiwilligen Einsatz finden würde.
Für welche
Bereiche würden Sie sich personelle und weiterbildungsmäßige Hilfe
wünschen ?
Für die Fachbereiche Traumatologie, Allgemeine Chirurgie, Kinderheilkunde,
Zahnheilkunde, Gynäkologie, Physiotherapie und Krankenpflege.
Der Betrieb des
neuen Krankenhauses verursacht natürlich auch einen höheren Kostenaufwand.
Wie glauben Sie, dieses Problem lösen zu können ?
Zum einen werden durch das verbesserte Leistungsangebot auch höhere
Einnahmen erzielt werden, zum anderen hoffen wir darauf, auch nach der
Fertigstellung des Krankenhauses auf die Unterstützung unserer Tiroler
Partner zählen zu dürfen.
An wen können
sich freiwillige Helfer wenden, die zu einem Einsatz in Pozuzo
bereit wären ?
An den med. Projektberater des Tiroler Vereines „Gesundheit für Pozuzo“,
Prim. Dr.
Herbert Jamnig, LKH Natters Telefon: +43 (0512)
/5408
E-Mail-Adresse:
herbert.jamnig@tilak.or.at
( Anmerkung : Einige Spanischkenntnisse wären für einen solchen Einsatz
unbedingt erforderlich )
Was wünschen
Sie sich für die nächste Zukunft ?
1. Dass das neue Centro de Salud bald seinen Betrieb aufnehmen kann.
2. Ein partnerschaftliches Abkommen mit der Universität Innsbruck und
der Uni-Klinik Innsbruck, das
uns einen akademischen und professionellen
Wissensaustausch, aber auch den Einsatz von
Fachpersonal aus Tirol ermöglichen würde.
Gibt es keine
ganz privaten Wünsche ?
Doch auch.
1. Dass ich mich weniger der Verwaltung und mehr meinen medizinischen
Aufgaben widmen könnte.
2. Mehr Zeit für meine eigne med. und sprachliche Weiterbildung.
( Englisch und Deutsch wären meine Wunschfächer )
3. Wieder einmal ein paar Tage Urlaub; den letzten Urlaub hatte ich vor 4
Jahren !
Außerdem möchte ich mich im Namen meiner Mitarbeiter und der
Bevölkerung Pozuzos, bei den vielen Helfern in Tirol recht herzlich für die
bereits erwiesene Hilfestellung bedanken und bitte Sie, unsere Grüße an Ihre
Leserschaft und unsere Partner in Tirol weiter zu leiten.
Foto Dr. Zevallos
mit einem Teil seines Krankenhausteams
|