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    1846

    begann der Staat Peru reich zu werden durch den Verkauf von Guano in das bevölkerungsreiche Europa, das dieses Düngemittel dringend benötigte. Unter Castilla verbesserte sich die Situation der indianischen Bevölkerung in den Küstenregionen durch die Abschaffung der Tribute und die Sklavenwirtschaft wurde beendet. So kam es zu einem Mangel an Arbeitskräften auf den Plantagen, zu einem Rückgang der Erträge und daher unterstützte Präsident Castilla die Einwanderung von Ackerbauern.

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    1851

    Bericht an den Bremer Senat durch Juan Gildemeister: „ Peru sei ein in vieler Beziehung überaus gesegnetes Land, wo nicht nur der Bergbau, sondern auch besonders der Ackerbau günstige Aussichten für die Zukunft bietet“. (Cornoyer 2011: 68)

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    1852

    Im Herbst 1852 kam der damals 27-jährige deutsche Freiherr Damian von Schütz-Holzhausen nach Peru, wo er Besprechungen mit Regierungskreisen aufnahm.

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    1853

    unterzeichnete er einen Kontrakt mit der Regierung zur Ansiedlung von 10.000 Deutschen am Maranon. Gesucht: Colonisten, die als Siedlungspioniere und Wegbereiter die kaum erschlossenen Regionen jenseits des Anden-Hauptkammes besiedeln sollten.

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    1855

    Erneuerung des Kontrakts mit Präsident Castilla, aber als Ansiedlungsgebiet wird jetzt Pozuzo bestimmt. Hier sollte der Flusshafen Puerto Mairo für eine mögliche Anbindung an die Amazonasschifffahrt errichtet werden.

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    1856

    bewirbt Schütz sein Projekt in Deutschland, stößt aber auf großen Widerstand, vor allem die Augsburger „Allgemeine Zeitung“ macht am 21. Dezember aufmerksam: „Das Schicksal solcher Leute wird aber ebenso unglücklich als das der früheren Einwanderer sein.“ (Habicher 2003, S. 34) Bildarchiv: Stift Fiecht

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    1857

    Damian von Schütz-Holzhausen wollte Deutsche aus seiner Heimat, dem Herzogtum Hessen-Naussau anwerben, bekam aber die vorgesehenen 300 Passagiere für das erste Schiff nicht zusammen. Über Dr. Moritz Lieber nahm Schütz Kontakt mit dem Benediktinerpater Dr. Augustin Scherer aus St.Georgenberg-Fiecht bei Schwaz in Tirol auf. Scherer erhielt die Vollmacht zur Anwerbung von auswanderungswilligen Tirolern.
    Pater Scherer informierte über den „Boten von Tirol und Vorarlberg“ und über die „Volks- und Schützenzeitung“ und Scharen von Interessierten meldeten sich. Entgegen aller Bedenken und Warnungen war Pater Scherer überzeugt, dass die Tiroler Kolonisten einer glücklichen Zukunft entgegenfahren würden.

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    16. März 1857

    Kolonieseelsorger Josef Egg und Kooperator Josef Überlinger feierten mit all denen, die sich auf eine Reise ohne Wiederkehr in ein fernes Land begeben wollten, einen Abschiedsgottesdienst in Silz. Man nahm Abschied von Familie und Freunden, aber auch von Armut und Not und freute sich auf ein neues, besseres Leben, auf eigene Ländereien in Freiheit und Glück.

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    19. März 1857

    Am Feiertag des hl. Josef, dem Schutzherrn der Familien und dem Landespatron von Tirol, sollten sich die Familien aus den Bezirksgerichten Silz im Oberinntal, Landeck und Telfs und aus dem Vinschgau mit den Auswanderern aus dem Unterinntal, dem Wipptal und Osttirol in Augsburg treffen. 180 Tiroler waren zusammengekommen, sie waren mit Pferdefuhrwerken, zu Fuß und von Kempten aus mit der Eisenbahn nach Augsburg gereist.

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    20. März 1857

    Von Augsburg ging es mit dem Zug weiter über Stuttgart und Heidelberg nach Mannheim. Mit einem Rheindampfer gelangten sie nach Köln, wo man wieder in die Eisenbahn umstieg. Über Lüttich erreichten die Reisenden die belgische Hafenstadt Antwerpen, wo man mit 120 Leuten „von der Mosel und dem Rheine“ zusammentraf. Im Hafen lag der angemietete dreimastige Frachtensegler Norton vor Anker. Die Auswanderer konnten das erste Mal im Zwischendeck übernachten. Bevor der Frachtenraum des Guanoseglers für die nächsten 116 Tage ihr enger Lebensraum werden sollte, wurden um 6 Uhr am Abend 23 Paare an Bord des Norton getraut, 21 davon aus Tirol. Um 6 Uhr in der Früh wurden die Anker gelichtet und ein Dampfer schleppte den Norton bis Ternösen, mit schwachem Wind weiter bis Vlissingen (Holland), wo man vor Anker lag und auf besseren Wind wartete.

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    18. April 1857

    Anna Katharina Egg schrieb unter anderem an ihren Onkel Dr. J.A.Schöpf: „Am 18. April starb das Kind des Alois Witting von Haiming. Im Ganzen starben auf dem Schiffe fünf Kinder und zwei Erwachsene. Wilhelm Wisser aus dem Rheinland starb von sechs Kindern weg. Sie können sich das Elend denken.“ (Schöpf 1892)

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    05. Mai 1857

    Die Reisenden überquerten den Äquator. Anna Katharina schrieb, „dass die Hitze niemals 24 Grad überstieg, dass das Meer sehr ruhig war und dass es auf dieser Linie in einem fort regnete…“ (Schöpf 1892)

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    23. Juli 1857

    Josef Egg, der Kaplan der Auswanderer, schickt nach der Ankunft in Peru im Hafen von Lima (Callao) am 21. Juli ein „erstes Lebenszeichen“ an Pater Scherer in Tirol, das in der „Volks- und Schützenzeitung“ Nr. 107 vom 7.9.1857 veröffentlicht wurde.

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    29. Juli 1857

    Die Landreise in das sehnlichst erhoffte „ gelobte Land“ begann an diesem Tag in Huacho. Der zweite Tiroler Geistliche, der die Auswanderer begleitete, Josef Überlinger, berichtet von den Strapazen dieses Weges, den sie unter härtesten Bedingungen selber bauen mussten. Er berichtet, wie in dieser verzweifelten Lage „immer wieder goldene Berge vorgemacht“ wurden, wie immer mehr Leute die Kolonie verließen, um anderswo Arbeit zu finden. Organisationsmängel, unzureichende Versorgung der Kranken auf dem Weg über die Anden und unzureichende Verpflegung.
    Die Gruppe wurde über den 4.300 m hoch gelegenen Cerro de Pasco in das Andendorf Acobamba geführt. Hier endete der von der Regierung versprochene direkte Weg zur Kolonie, die leidgeprüfte, auf 160 geschrumpfte Gruppe würde nun eine lange Zeit auf der Pampa Hermosa lagern. Josef Sailer aus Seefeld berichtete am 26. September 1857 seinen Eltern: „Das vermeintliche Paradies ist ein himmelhoher Berg, so verwachsen, dass kein Hase durchkommt. Etwa 40 Jauch ist es eben, und das andere sind Schluchten, abscheuliche, und es kommen Güsse herunter, wie bei euch die Lawinen.“ (s.Schützenzeitung vom 18.12.1857)

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    28. Februar 1859

    An der Flanke des Berges Santa Cruz ereignete sich eine Katastrophe, die in Peru viel Aufsehen erregt hat. Durch die extrem schweren und häufigen Regenfälle gingen vom Berg Santa Cruz riesige Geröllmassen ab und blockierten den Fluss. Das schmale Tal füllte sich rasend schnell mit Wasser, das binnen weniger Minuten die Hütten der Auswanderer mit Wasser und Schlamm überflutete und wegriss. Dabei sind sechs Menschen ertrunken und alle Lebensmittelvorräte verloren gegangen. Und wieder verließ eine Gruppe von 50 Personen die Kolonie, es blieben nur noch wenige Familien übrig. Laut Bericht von Überlinger vom 10. 05. 1858 bestand die Gruppe damals aus 60 Tirolern und 52 Rheinländern. ( s. Bote für Tirol und Vorarlberg vom 23. 7. 1858, S. 726)

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    1859

    Aufgeben oder Weitermachen? Die Überlieferung erzählt: Der Auswanderer Andreas Rofner aus Zams wollte sich Klarheit über das zukünftige Siedlungsgebiet schaffen und zog mit 7 Männern unter der Führung eines Indio aus. Nach sieben Tagen kamen sie mit leuchtenden Augen zurück und schwärmten von der Schönheit der Gegend und den fruchtbaren Böden. „Es schaut aus wie in Tirol“, sollen sie gesagt haben, „sogar der Fluss schaut aus wie der Inn. Ganz so wiä dahoam!“
    So haben Männer von Pampa Hermosa aus angefangen, in der Kolonie Pflanzungen anzulegen und durch sie wurde die Gründung von Pozuzo vorbereitet.

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    25. Juli 1859

    Endlich konnten auch die Letzten, Frauen, Kinder und Kranke mit all den von Juan Renner geschenkten Tieren das endgültige Siedlungsgebiet von „Pozuzo“ erreichen.

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    1859

    Den Berichten von Josef Egg und anderen Kolonisten, waren sie endlich im „völligen Paradies“ angekommen. Ein Kolonist schreibt, dass er bald mit keinem Bauern in Silz mehr würde tauschen wollen.

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    1860

    Friedrich Gerstäcker berichtete über seine 18 tägige Reise von Lima nach Pozuzo , dass die junge Kolonie „so unglücklich gewählt, wie nur irgend möglich“ sei. (Gerstäcker 1860, S.274)

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    1864

    Die Siedler der „deutschen Kolonie in Peru“ waren nach
    einer langen Reise sehr mühsam an den Huancabamba-Fluss gelangt und genauso mühsam war der Weg in die Außenwelt, wo sie ihre Produkte verkaufen hätten können. In dieser Isolation war keine Weiterentwicklung möglich. Man hätte dringend an den Wegen weiterarbeiten müssen, sie träumten auch noch, dass die wirtschaftliche Hauptader der Republik Peru über den Hafen von Mairo und damit über Pozuzo führen würde. Und dafür wünschten sie sich Verstärkung durch mehr Einwanderer. Pfarrer Josef Egg und dreißig Kolonisten machten eine Eingabe an den peruanischen Präsidenten am 1. Mai 1864, in der sie sich weitere 1000 Kolonisten wünschten.

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    1867

    Da auch Peru noch am dem Plan, am Rio Mairo einen Binnenhafen zu gründen interessiert war, wurde ein neuer Kolonisationskontrakt aufgesetzt. Santiago Scotland war peruanischer Konsul in Amsterdam und nahm 1867 Kontakt mit P.Augustin Scherer auf. Auf die Bitte, bei der Suche nach einem geeigneten Subagenten zu helfen, wird der Innsbrucker Unternehmer Carl Seeböck gefunden.
    Dieser informiert die Tiroler Öffentlichkeit über das neue Kolonisationsprojekt.

    Der Bothe für Tirol und Vorarlberg berichtet am 2.12.1867 vom blühenden Zustand der Kolonie in Peru und in der „Tiroler Volks- und Schützen-Zeitung“ vom 16. Dezember 1867 wird mit einem Inserat von Carl Seeböck wieder für die Auswanderung nach Peru geworben: „1. Freie Überfahrt ab Antwerpen nebst Verköstigung.2. Freie Beförderung zu Land nach dem Ort, wo die Kolonie angelegt werden soll, nebst Transport des Gepäcks….. (Habicher 2003, S. 251)

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    21. März 1868

    Im Zwischendeck des Frachtenseglers „Valparaiso“ stachen am 21.03.1868 321 Personen in Antwerpen in See.

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    1868

    250 neue Kolonisten hatten im Oktober 1868 die Anreise nach Pozuzo geschafft. Sie sollten sich in der großen Pampa am Rio Mairo am Rande des Tieflandes niederlassen. Doch auch diesmal gab es noch keinen brauchbaren Weg ins Zielgebiet. Deshalb blieben die Familien der Neuankömmlinge in Pozuzo, während die Männer bis Mairo vordrangen. Der größte Teil von ihnen starb bei den Ansiedlungsversuchen durch Tropenkrankheiten, Schlangenbisse und Entbehrung. „Die Überlebenden kamen nach Pozuzo zurück, wo sie und die Hinterbliebenen der Verstorbenen sich jetzt niederließen“ (Aus einer Petition der Pozuciner an den Staatspräsidenten vom 25.3.1918, aus dem Spanischen übersetzt von W. Schabus). Es folgten Jahre des Aufbaus, in denen Erfolg und Rückschläge abwechseln. Im Urwald eingeschlossen, überlebte die Kolonie trotz aller Schwierigkeiten und begann zu gedeihen. Alle kühnen Projekte, die Reichtum versprachen, blieben Träume, ja sogar der versprochene befahrbare Weg von Oxapampa durch die Schlucht des Huancabamba wurde erst 1976 fertig gestellt.

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    1932

    kam der Innsbrucker Forscher Prof. Hans Kinzl im Rahmen seiner Arbeiten zum Kartenwerk Cordillera Blanca und Huayhuash das erste Mal nach Pozuzo und berichtete darüber in Tirol. 1939 folgte eine zweite Bereisung.

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    1938

    Missionare des Comboni-Ordens vom Heiligsten Herzen Jesu in Brixen übernahmen die Seelsorge in Pozuzo.

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    1955

    Karl Schmid-Tannwald erreichte die Kolonie und schrieb sein Buch „Pozuzo. Vergessen im Urwald“, welches 1957 erschien.

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    1959

    Pozuzo wurde von einigen Mitgliedern der „Ersten Österreichischen Cordillerenexpedition“ besucht, unter ihnen Hannes Gasser, Ulla Mayrhofer, Klaus Keplinger und Albert Zangerl. Sie alle machten Pozuzo einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Doch völlig „vergessen“ war Pozuzo auch schon vorher nicht, gab es doch eine rege Korrespondenz zwischen Pfarrer Josef Egg in und Pozuzo und Pater Augustin Scherer in Tirol. Nach Pfarrer Eggs Tod im Jahr 1905 pflegte sein Nachfolger in Pozuzo , Pfarrer Franz Schafferer aus dem Gschnitztal , den Kontakt mit der Heimat weiter.

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    1980

    Pozuzo und Silz schlossen eine offizielle Gemeindepartnerschaft, der sich 1907 die Gemeinde Haiming anschloss.

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    1983

    wurde in Silz der „Freundeskreis für Pozuzo“ offizielle gegründet.

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    2004

    wurde durch den Verein „Gesundheit für Pozuzo“ das Krankenhaus San Camillo gebaut und eingerichtet.

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    2007

    Schon 11 Jahre nach der Gründung von Pozuzo durch unsere Kolonisten zogen Indigenas in die Umgebung, bis Mitte der 1960-er Jahre war die Bevölkerungszahl unter 2000, bereits 2007 waren es 7.760 Personen. Diese lebten nun nicht mehr nur von der Landwirtschaft, sondern auch von der neuen Wirtschaftsbranche – dem Tourismus. (Quelle: Unterlagen der Municipalidad Distrital de Pozuzo, Zivilregister, Nueburger, Steinicke 2009)